Do. 12. März 2026 -

GMP-Washing: Wie fragwürdige Cannabisqualitäten auf dubiosen Wegen zu deutschen Patienten gelangen

Die Qualität medizinischer Cannabisblüten ist von vielen Faktoren abhängig. Dabei bildet die mikrobiologische Qualität ein besonders wichtiges Qualitätsattribut ab, da ein direkter Bezug zu einer sicheren Anwendung und Verabreichung beim Patienten vorliegt. Eine für die Patienten sichere mikrobiologische Qualität lässt sich nur durch Hygienemaßnahmen im Anbau und der Verarbeitung von Cannabisblüten sowie sachgerechte Trocknung, Verpackung, Lagerung und Transport erreichen. Es besteht daher in Fachkreisen Konsens, das nach der Ernte die kritischen Verarbeitungsschritte unter GMP durchgeführt werden sollten. Dazu gehören auch alle Maßnahmen zur nachträglichen Keimverminderung. Die Bezeichnung „GMP-Washing“ resultiert aus dem Umstand, dass dabei Blüten als pflanzliche Rohstoffe in die EU importiert und weiterverarbeitet werden, die nicht unter GMP (manchmal sogar ohne GACP) gewonnen wurden. Um diese dennoch als „GMP-Blüten“ deklarieren zu können, erfolgen im EU-Binnenraum ein Nachtrocknen oder andere Herstellschritte, wie Sieben oder Homogenisieren in einem Betrieb mit GMP-Herstellerlaubnis. Es stellt sich die Frage, inwieweit im Rahmen der Plausibilitätsprüfung in der Apotheke eine Bewertung erfolgen muss, ob derart gewonnen Blüten eine angemessene Qualität haben oder zurückgewiesen werden sollten.

Porträt-Foto Dr. Markus Veit

Dr. Markus Veit, Apotheker, Kaufering

Dr. Markus Veit ist Geschäftsführer der ALPHATOPICS GmbH. Er ist Apotheker mit umfangreicher Erfahrung in den Bereichen GxP, pharmazeutische Herstellung, Qualitätskontrolle, Regulatory Affairs und Arzneimittel und Zertifizierung von Medizinprodukten. In den letzten 25 Jahren war er als Geschäftsführer in Unternehmen tätig, die Dienstleistungen für die pharmazeutische Industrie in den Bereichen Arzneimittelentwicklung, -prüfung, -regulierung und -schulung anbieten, sowie als außerplanmäßiger Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt. Er hat zahlreiche Schulungs- und Weiterbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter in der Pharma- und Medizinprodukteindustrie konzipiert und geleitet.

Ziegler: Cannabis

Bereits in der Antike wurde Cannabis als Arzneimittel eingesetzt – doch erst jüngst avancierte es zu einem der spannendsten medizinisch-pharmazeutischen Themen der Gegenwart. In kaum einem Bereich der Pharmakotherapie entwickelte sich der Erkenntnisstand zuletzt mit vergleichbarer Dynamik. Fachleute aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern arbeiten kontinuierlich daran, neue wissenschaftliche Evidenz für den therapeutischen Einsatz von Cannabis bzw. Cannabinoiden zu generieren und Patienten mit qualitätsgesicherten Cannabisarzneimitteln zu versorgen. In diesem Werk haben erstmals Vertreter aller relevanten Fachbereiche mitgewirkt. Dank dieser geballten Expertise erwuchs ein einzigartiges Gesamtbild, das den aktuellen rechtlichen und wissenschaftlichen Rahmen der medizinischen Cannabisversorgung erstmalig konsolidiert zusammenfasst!

Bracher et al.: Arzneibuch Kommentar

Als amtlicher Text gehört das Arzneibuch in jede Apotheke. Es ist das für Deutschland und Europa verbindliche Regelwerk für die Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln. Der Arzneibuch-Kommentar erläutert die Vorgaben des Arzneibuchs und ergänzt sie mit vergleichenden Informationen. Außerdem werden zusätzliche Quellen zum Arzneibuch ausgewertet. Die 78. Aktualisierungslieferung bringt sämtliche Monographien auf den Stand des Nachtrags 11.5 zum Europäischen Arzneibuch. Der Arzneibuch-Kommentar kann als Loseblattwerk oder als inhaltsgleiche DVD-ROM-Ausgabe plus Online bezogen werden.