Wissenschaftlicher Kongress

Samstag, 16.03.2019
15:45 - 16:30 Uhr

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Was Mann braucht und … was Nahrungsergänzungmittel leisten können

„Männer sind allzeit bereit“? – Männerkrankheiten und ihre Pharmakotherapie

Zertifizierte Fortbildung

Es gibt zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel (NEM), die explizit für Männer beworben werden. Obwohl derartige Nutraceuticals nicht dazu bestimmt sein dürfen, Krankheiten zu heilen oder zu verhüten, werden NEM häufig genau zu diesem Zweck angewendet.

Prof. Dr. Martin Smollich

Studium von Biologie und Pharmazie;
Fachapotheker für Klinische Pharmazie;
2013 bis 2018 Professur für Klinische Pharmakologie und Pharmakonutrition an der praxisHochschule Rheine;
seit 2018 Leiter der AG Pharmakonutrition am ­Institut für Ernährungsmedizin der Universität Lübeck;
Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ);
Herausgeber des Fachblogs Ernaehrungsmedizin.blog;
Schwerpunkte: Pharmakonutrition, NEM,
Nutraceuticals, Arzneimittel-Lebensmittel-
Interaktionen

 

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Für die Beratung in der Offizin ist es deshalb wichtig, zwischen sinnvollen, unwirksamen und gesundheitsgefährlichen NEM zu ­unterscheiden. Zudem ist es essenziell, seriöse Informationsquellen zur Beurteilung von Nahrungsergänzungsmitteln zu kennen, um bei der kritischen Bewertung nicht auf Marketingaussagen von ­Herstellern angewiesen zu sein.

Prostata und erektile Dysfunktion. Nahrungsergänzungsmittel zur Prävention von bzw. zur Anwendung bei benigner Prostatahyperplasie (BHP) und erektiler Dysfunktion gehören zu den spezifisch von Männern angewendeten NEM. Sie sind weit verbreitet, da sie die vermeintlich peinliche Konsultation eines Arztes ersparen sowie frei verkäuflich und vermeintlich nebenwirkungsfrei sind. Durch die zunehmende Vermarktung sogenannter Botanicals wird die Abgrenzung zu Phytopharmaka (z. B. Kürbiskern-Extrakte, ­Sägezahnpalm-Früchte, Brennesselwurzel-Extrakte) systematisch erschwert.
Zu den Bestsellern in diesen Indikationsgebieten gehören neben ­L-Arginin, D-Mannose, Yohimbin, Dehydroepiandrosteron (DHEA), Pinienrinden-Extrakten und Ginseng auch Maca-Extrakte und sogenannte „Testosteron-Booster“ mit Steroidsaponinen (z. B. aus Tribulus terrestris, Erdsternchen), die neben Muskelzuwachs die Libido und Potenz steigern sollen. Die Studienlage zu diesen Präparaten ist wenig aussagekräftig, wobei es zur Anwendung von Ginseng bei Erektionsstörungen zumindest einige Hinweise auf eine möglicherweise vorhandene Wirksamkeit gibt. Besondere Vorsicht ist zudem bei NEM zur Potenzsteigerung geboten, da diese häufig nicht deklariertes Sildenafil enthalten.

Daneben gibt es deutliche Hinweise darauf, dass einzelne Mikronährstoffe (z. B. Vitamin E) das Risiko für Prostata-Karzinome sogar erhöhen können. Auch hochdosierte B-Vitamine sind in diesem Kontext möglicherweise gesundheitsschädlich. Tribulus-Produkte können außerdem die gesundheitsbedenklichen Alkaloide Harman und Norharman enthalten oder mit nicht deklarierten Anabolika versetzt sein.

Kardioprotektion. Wichtigste Stoffgruppe der zur Kardioprotektion vermarkteten NEM sind die Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure. Die aktuelle Studienlage liefert keine Rationale dafür, die derzeit verfügbaren Omega-3-Fettsäure-Supplemente bei Männern (und bei Frauen) zur Senkung des kardiovaskulären Risikos einzusetzen. Einzige evidenzbasierte Indikation für Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren ist derzeit die Anwendung bei bestimmten Stadien der altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Das unstrittig vorhandene präventive Potenzial der Omega-3-Fettsäuren wird mit den verfügbaren Nahrungsergänzungsmitteln noch nicht ausgenutzt. Hier könnten aktuell erprobte personalisierte Ansätze und die Identifizierung prädiktiver Faktoren zielführend sein. Neu im Handel sind auch Nahrungsergänzungsmittel mit modifizierter Galenik und/oder chemisch modifizierten Fettsäuren, wodurch die Bioverfügbarkeit deutlich erhöht ist.
Phytosterole (wie z. B. Sitosterol) werden in Nahrungsergänzungsmitteln und funktionellen Lebensmitteln ebenfalls zur Gefäß- und Kardioprotektion eingesetzt. Obwohl Sitosterol in üblichen Dosierungen tatsächlich eine LDL-senkende Wirkung zeigt, sollten entsprechende Präparate nicht zur unspezifischen Primärprävention empfohlen werden, da ihr Langzeitrisikoprofil nicht ausreichend ­bekannt ist. |

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Zu den Fragen

Nahrungsmittel­unverträglichkeiten

Lactose - Fructose - Histamin - Gluten

Wenn Essen krank macht

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Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2018

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