Wissenschaftlicher Kongress

Samstag, 16.03.2019
09:00 - 10:00 Uhr

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Scharf gemacht und ausgeschaltet: Gentherapeutische Revolution mit CAR-T-Zellen und RNAi-Therapeutika

„It’s a new generation“ – Wirkmechanismen innovativer Therapiekonzepte

Zertifizierte Fortbildung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft definiert „Gentherapie“ als „das Einbringen von Genen mittels Gentherapie in Gewebe oder Zellen mit dem Ziel, durch die Expression und Funktion dieser Gene therapeutischen oder präventiven Nutzen zu erlangen“. 

Dr. Ilse Zündorf

Biologie-Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen;
von 1991 bis 1995 am Institut für Pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität Frankfurt; 
seit 1995 Akademische Rätin; 
seit April 2001 Akademische Oberrätin am Institut für Pharmazeutische ­Biologie der Universität Frankfurt; 
seit 2001 Redakteurin und Grafikerin für die Zeitschrift „Pharmazie in ­unserer Zeit“
 

Kontakt

Prof. Dr. Theo Dingermann

1990 bis 2013 C4-Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt (M); 
1998 bis 2000 Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt; 
1996 bis 2000 Vizepräsident und 2000 bis 2004 Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG);
2013 bis 2017 Seniorprofessor am Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Frankfurt (M);
Schwerpunkte: monoklonale Anti­körper und chromosomale Instabilität
 

Kontakt

Seit Ende der 1980er-Jahre – mit den Erkenntnissen aus dem Humangenomprojekt – hat diese Therapieform sehr hohe Erwartungen geweckt. Schließlich könnte man mithilfe der Gentherapie etliche (schwere) Erbkrankheiten, wie das Hunter-Syndrom, die Bluterkrankheit oder der schwere kombinierte Immundefekt, nicht nur lindern sondern sogar kausal heilen: Das defekte Gen wird „einfach“ durch ein intaktes ersetzt! So einfach und logisch dieser Ansatz klingt – in der Umsetzung ist alles sehr viel schwerer. Schließlich muss dabei ein recht großes, negativ geladenes Molekül, die Nukleinsäure, in bestimmte Zellen gelangen und dort zur Anwendung kommen.

Anfang der 1990er-Jahre starteten die ersten gut dokumentierten Gentherapiestudien und erfuhren 1999 einen herben Rückschlag, als der 18-jährige Proband Jesse Gelsinger an den Folgen einer Gentherapie verstarb. Damals bestand das Problem darin, dass Jesses Körper nicht mit der enormen Last der Virusvektoren fertig wurde, die ihm für den Gentransfer verabreicht werden mussten. Seit der ersten offiziellen Studie im Jahr 1989 wurden weltweit inzwischen mehr als 2600 registriert (Gene Therapy Clinical Trials Worldwide, http://www.abedia.com/wiley/), die mithilfe verschiedener Vektoren unterschiedliche Krankheiten heilen wollen. 

Nach wie vor besteht das größte Problem im eigentlichen Gentransfer: Wie sieht das Gen aus und welcher Vektor ist dafür am geeignetsten. Adressiert werden dabei immer nur normale Körperzellen. Der Transfer von Genen in die Keimbahn wäre zwar die nachhaltigste Therapie, weil dann auch gleich die Nachkommen mit geheilt würden, ist aber nach § 5 Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten.
Bei der Europäischen Zulassungsbehörde EMA werden Gentherapeutika (Tab. 1) zu den advanced therapy medicinal products (ATMP), also zu den Arzneimitteln für neuartige Therapien, gerechnet. Die Richtlinie EMA/CAT/80183/2014 „Guideline on the quality, non-clinical and clinical aspects of gene therapy medicinal products“ regelt die Qualität und die präklinischen sowie klinischen Aspekte der Wirkstoffe. Streng genommen zählen Antisense-Oligonukleotide und siRNAs nicht zu den Gentherapeutika, da bei diesen Nukleinsäuren nicht die genetische Information relevant ist, sondern allein die Basenabfolge, die zur Hemmung der komplementären mRNA in der Zelle genutzt werden soll. Tabelle 2 bringt eine Übersicht über zugelassene Nukleinsäuren, modifizierte Viren und genetisch veränderte Zellen.

Abb. 1: Ansätze für die Gentherapie. Bei der In-vivo-Variante wird die Nukleinsäure oder das gentechnisch veränderte Virus in den Körper eingebracht und soll dort bestimmte Zellen gezielt verändern (linker Teil). Alternativ können dem Patienten Zellen entnommen werden, die in Kultur genommen und ex vivo mit einer Nukleinsäure oder einem gentechnisch veränderten Virus manipuliert und anschließend reinfundiert werden (rechter Teil).

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Zu den Fragen

Gentechnik – Biotechnik

Grundlagen und Wirkstoffe
Faszinierende Techniken – potente Arzneistoffe
Die gentechnisch und biotechnologisch hergestellten Arzneistoffe (Biologika, Biopharmazeutika) bilden ein rasant wachsendes Segment im Arzneischatz. Neue molekular- und zellbiologische Arbeitstechniken haben deren Entwicklung und Herstellung revolutioniert.
Im ersten Teil des Werks widmen sich die Autoren den Entwicklungsstrategien und Herstellungsprozessen der Proteintherapeutika. Daneben diskutieren sie benachbarte Themen wie die Identifizierung von Krankheitsgenen, ­Genomik und molekulare Diagnostik. Im zweiten Teil beschreiben sie insgesamt 23 Indikationen und die dafür zugelassenen rekombinanten Arzneistoffe. Arzneimittelfachleute aller Professionen finden hier kompetente Auskunft und präzise Informationen zu diesem ebenso faszinierenden wie komplexen Gebiet.

Von Theodor Dingermann, Thomas Winckler und Ilse Zündorf unter Mitarbeit von Hanns-Christian Mahler 
2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, XVI, 
964 S., 616 farb. Abb., 111 farb. Tab., 19,3 × 27,0 cm, Gebunden, 96,80 Euro [D]
ISBN 978-3-8047-2534-8

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