Wissenschaftlicher Kongress

Freitag, 15.03.2019
14:45 - 15:15 Uhr

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„Natürlich“ verhüten - Was Verhütungsapps und Zykluscomputer leisten können

„I’m every woman“ – Was Frauen bewegt

Verhütungsapps und Zykluscomputer drängen derzeit auf den Gesundheitsmarkt. Diese Produkte sind ausgelegt zur Zyklusdokumentation, zur Unterstützung bei bestehendem Kinderwunsch und manche davon explizit zur natürlichen Verhütung. 

Dr. Petra Frank-Hermann

Gynäkologin;
Funktionsoberärztin an der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen der Universitätsfrauenklinik Heidelberg und ­Leitung der Ambulanz für Kinder- und Jugend­gynäkologie;
Geschäftsführung der Sektion „Natürliche Fertilität und Natürliche Familienplanung“ der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsmedizin (DGGEF);
wissenschaftliche Publikationen und Buchautorin

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Allen gemeinsam ist, dass sie das fruchtbare Fenster im weiblichen Zyklus anzeigen. Sie sind bisher keiner adäquaten Prüfung unterworfen.
Man kann sie in drei Kategorien einteilen:

  • Methoden, die die fruchtbaren Tage vorhersagen
  • Methoden, die die fruchtbare Zeit im laufenden Zyklus messen und bestimmen
  • Methoden, die auf experimentellen Parametern basieren

Methoden, die die fruchtbaren Tage vorhersagen

Hierher gehören kalender-basierte Apps, kalkulo-thermale Apps und andere Produkte, die die fruchtbaren Tage vorhersagen. Sie nehmen dazu Daten aus wenigen früheren Zyklen, z. B. durchschnittliche Zykluslänge, frühere Temperaturanstiege oder andere Parameter. Informationen aus dem aktuellen Zyklus spielen keine Rolle. Dies funktioniert aber schon wegen der natürlichen Zyklusschwankung nicht, weshalb sie für eine sichere Verhütung unbrauchbar sind. Trotzdem werden solche Produkte vom TÜV zugelassen und eine hat sogar die FDA-Zulassung erhalten. Solche Zu­lassungen basieren auf von den Herstellern selbst durchgeführte Studien, zum Teil Big-Data-Studien, die erhebliche Mängel aufweisen und nicht wissenschaftlichen Standards entsprechen. 

Methoden, die die fruchtbare Zeit im laufenden Zyklus messen und bestimmen

Bei diesen Methoden werden die fruchtbaren Tage nicht vorhergesagt, sondern im laufenden Zyklus bestimmt. Hierher gehören die Apps, die auf klassischen Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP) beruhen und die meisten der bekannten Zykluscomputer. 

Bei den NFP-Apps wird das fertile Fenster anhand von selbstbeobachteten Zyklussymptomen wie Temperatur und Zervixschleim bestimmt. Man kann heutzutage mit bestimmten NFP-Methoden nämlich den evidenzbasierten Varianten der symptothermalen Methode sehr sicher verhüten. Dies setzt aber voraus, dass Frauen lernen ihre Körpersymptome zu beobachten. Entsprechend programmierte Apps müssen jedoch in Studien nachweisen, dass sie gebrauchssicher sind. Eine weitere Voraussetzung ist, dass analoge oder digitale Thermometer benutzt werden, welche für die NFP-Anwendung geeignet sind. Eine Neuerung sind Mess-Chips, die nachts wie ein Tampon vaginal getragen werden und im Schlaf die Körpertemperaturen messen und anschließend die Messdaten an die App oder den PC übertragen.

Zu den bekannten Zykluscomputern zählen Produkte, bei denen Hormone zu Hause mit Teststreifen in Urin oder Speichel gemessen werden, Temperaturcomputer und anderes. Die Studienlage zeigt, dass einige Zykluscomputer für den Kinderwunsch durchaus interessant sind, für die Verhütung sind sie in der Regel zu unsicher bzw. es fehlen aussagekräftige Daten.

Methoden, die auf experimentellen Parametern basieren

Einige Produkte gehen neue Wege und messen Parameter, die sich noch im Experimentierstadium befinden. Sie werden jedoch zum Teil bereits aggressiv vermarktet. Es werden Armbänder über Nacht getragen ähnlich wie Fitness-Armbänder, die z. B. Veränderungen der Pulsrate oder Körpertemperatur kontinuierlich messen. Vorsicht, das ist periphere Körpertemperatur und nicht Kerntemperatur wie bei der bekannten Temperaturmethode. Aufgrund erster Studien gibt es erhebliche Zweifel daran, dass die jüngsten Entwicklungen funktionieren und die notwendige Genauigkeit aufweisen, um für die Verhütung brauchbar zu sein.

Im Vortrag werden die aktuell auf dem Markt befindlichen Produkte vorgestellt und besprochen.

Schlucken Sie nicht alles!

Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt!
Den Satz: „Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ haben Sie tausendfach gehört oder gelesen. Viele Kunden sind wirklich dankbar für diese Beratung und es gibt immer wieder Situationen, in denen nicht allein Arzneimittelwissen gefragt ist, sondern Problemlösung. Den Beruf des Apothekers gibt es seit 800 Jahren; er weiß alles über Arzneimittel oder kann es ganz schnell in Erfahrung bringen. Gute Apotheken sind längst auf dem Weg vom Arzneimittelversorger zu einem Ort der Beratung und Wissensvermittlung rund um die Anwendung von Arzneimitteln. Mit Sicherheit wird sich in Zukunft unser Verständnis von Krankheit, Gesundheit und dem Weg dahin verändern, und gewohnte Rollen müssen neu definiert werden. Wie wichtig die Rolle der Apotheken für unsere Gesundheit ist und bleiben wird, erfahren Sie in diesem Buch.

Von Erika Fink 
244 S., 13,0 × 21,0 cm, Kartoniert,
17,80 Euro [D]
ISBN 978-3-7776-2722-9
S. Hirzel Verlag 2018

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