Wissenschaftlicher Kongress

Samstag, 16.03.2019
14:00 - 14:45 Uhr

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Kampf gegen die Glatze – teuer erkauft: Das Post-Finasterid-Syndrom“

„Männer sind allzeit bereit“? – Männerkrankheiten und ihre Pharmakotherapie

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Testosteron wird von dem Enzym 5-alpha-Reduktase in das wesentlich potentere 5-alpha-Dihydrotestosteron umgewandelt. 5-alpha-Dihydrotestosteron (5-alpha-DHT) bindet bis zu zehnmal stärker an den Androgen-Rezeptor als Testosteron.

Prof. Dr. Michael Zitzmann

Hochschullehrer für Endokrinologie und Andrologie am Universitätsklinikum Münster im Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie; seit 20 Jahren mit der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen beschäftigt;
Vorstands-Mitglied verschiedener Fachgesellschaften, die sich mit Männergesundheit und ­Sexualität beschäftigen; in die Royal Society of Medicine (United Kingdom) berufen

 

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Die Umwandlung des Testosterons geschieht in verschiedenen Geweben, wie der Haut, der Prostata, dem Gehirn und auch in weiteren Organen. Von dem Enzym 5-alpha-Reduktase gibt es mindestens drei Isoenzyme, also Subtypen. Finasterid ist ein selektiver und kompetitiver Inhibitor der 5-alpha-Reduktase und hemmt die Entstehung von 5-aplha-Dihydrotestosteron. Das Finasterid ist ein Steroid, es wurde bereits Anfang der 1980er-Jahre entwickelt. 5-alpha-Dihydrotestosteron stellt einen wichtigen Wachstumsreiz für die Vergrößerung der Prostata dar und ist an der Entstehung des Haarausfalls beteiligt. Männer mit androgenetischem Haarausfall besitzen verkleinerte Haarfollikel und erhöhte Mengen 5-alpha-DHT. Hierbei hemmt Finasterid einen Vorgang, der für die Verkleinerung der Haarfollikel der Kopfhaut verantwortlich ist, was zu einer Rückbildung des glatzenbildenden Prozesses führen kann. Finasterid führt somit längerfristig zu einem Rückgang des Volumens der vergrößerten Prostata, lindert die Symptome und stoppt den Haarausfall, solange das Arzneimittel eingenommen wird.

Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören eine verminderte Libido, Impotenz, Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen, Berührungsempfindlichkeit der Brust, Brustvergrößerung und Hautausschlag, aber auch über generelle Empfindungsstörungen wie Depressivität, Schlafstörungen und Unkonzentriertheit bis hin zu Arbeitsunfähigkeit wird immer wieder berichtet.

Am 5. Juli 2018 veröffentlichte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen sogenannten Rote-Hand-Brief zur Aufklärung über anhaltende Nebenwirkungen von Finasterid, die während oder nach der Einnahme des Wirkstoffs eintreten kann. Hierzu zählt das Risiko einer sexuellen Dysfunktion (einschließlich erektiler Dysfunktion, Ejakulationsstörung und verminderter Libido), welche – basierend auf einzelnen Fallberichten über Patienten – auch nach Absetzen der Therapie länger als zehn Jahre fortbestehen können. Ebenso wird auch vor den oben genannten psychischen Störungen, wie Stimmungsänderungen (einschließlich depressiver Verstimmung, Depression und Suizidgedanken) gewarnt. Ferner wird darauf hingewiesen, dass auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur „Angst“ als neue Nebenwirkung in die Fach- und Gebrauchsinformationen von Finasterid aufgenommen wird.

 

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