Wissenschaftlicher Kongress

Freitag, 15.03.2019
15:45 - 16:30 Uhr

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Hormontherapie in der Menopause – Mythen und Fakten

„I’m every woman“ – Was Frauen bewegt

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Die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit im Alltag von vielen Frauen mit perimenopausalen Beschwerden kann durch den richtigen Einsatz von Hormonen (Gestagenen und/oder Östrogenen) erheblich gebessert werden. 

Prof. Dr. med. Vanadin Seifert-Klauss

Weiterbildungsberechtigte Ärztin für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin;
seit 2001 Oberärztin der gynäkologischen Ambulanz und Leitung der gynäkologisch-endokrinologischen Spezialsprechstunden, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde an der TU München; 
2010 Gründung und Leitung des interdisziplinären Osteoporose-Zentrums (IOZ) im Klinikum rechts der Isar;
2018 Ernennung zur Professorin der TU München

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Dies trifft besonders für Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu, die gegenüber dem vorhandenen Placebo-Effekt (50% Besserung) unter Hormontherapie in Frequenz und Schwere der Symptome um 80%, bzw. 90% reduziert werden. Damit ist die Hormontherapie die effektivste Behandlung dieser Beschwerden, wobei Therapieversagen durchaus auch vorkommt. Schmerzhaften Schleimhautreizungen und Anfälligkeit gegenüber Infektionen (rezidivierende vaginale Entzündungen und Harnwegsinfekte) kann ebenfalls wirksam mit topischer oder systemischer Hormontherapie vorgebeugt werden. 

Dass eine generelle Ablehnung von Hormontherapie ebenso wenig gerechtfertigt ist, wie früher die undifferenzierte Empfehlung für alle postmenopausalen Frauen ist inzwischen weitgehender Konsens. Ein wesentliches Problem bei der Diskussion um Risiken und Nutzen von Hormontherapie waren und sind die verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit „Risiko“, die zu Verwirrung führen können. So wurde vielfach die relative Risiko-Erhöhung von Laien für das tatsächliche Risiko-Niveau gehalten.

Die Gegenüberstellung der zusätzlichen Erkrankungsrisiken und der verhinderten Erkrankungen durch Hormone in den großen amerikanischen Studien zur Frauengesundheit (Women’s Health Initiative, WHI) für sieben Risiken (koronare Herzerkrankung, Schlaganfall, Lungenembolie, Brustkrebs, Dickdarm-Karzinom, Schenkelhalsfraktur, Tod aus anderer Ursache) ergab für kombinierte Hormon(ersatz)therapie ein Summen-Risiko von 2/1000/Jahr, für Östrogen-Mono-Therapie ein Summen-Risiko von 2/10.000/Jahr. Diese Gesamtbewertung galt für eine im Mittel 63-jährige weibliche Studienpopulation ohne Ansehen von Risikofaktoren. Die Risikoraten waren niedriger bei jüngeren Frauen, deren Menopause noch nicht lange zurückliegt, sowie bei Frauen ohne Entfernung beider Eierstöcke (vergleiche auch die Unterschiede der beiden Placebo-Studienarme). Zusätzlich sind niedrigere Risikoraten zu erwarten, wenn die Kontraindikationen (Zustand nach thromboembolischen Ereignissen, Zustand nach Schlaganfall, Zustand nach Herzinfarkt) und die Risikofaktoren für Schlaganfall (Hypertonus, Rauchen, Diabetes) und für Brustkrebs (Adipositas, frühe Menarche, späte Menopause) beachtet werden, was in der WHI-Studie selbst nicht durchgängig der Fall war.

Da in der WHI-Studie nur 12,7% der Teilnehmerinnen unter mäßigen oder starken Hitzewallungen und Nachtschweiß litten und das mittlere Alter der Probandinnen bei 63 Jahren lag, sind Nutzen und Risiko aus dieser Studie für jüngere, symptomatische Frauen nicht 1:1 übertragbar. 

Kürzlich wurden die 18-Jahres-Daten nach Hormontherapie in den beiden WHI-Studien publiziert. 16.608 Frauen hatten im Mittel 5,2 Jahre lang 0,625 mg konjugierte equine Östrogene (CEE) + 2,5 mg Medroxyprogesteronacetat (MPA) täglich oder Placebo genommen, 10.739 Frauen nach Hysterektomie (und in 40% auch beidseitiger Ovarektomie) hatten 0,625 mg konjugierte equine Östrogene mono oder Placebo erhalten. Bis Ende 2014 gab es 7489 Todesfälle. In beiden Studien zusammen betrug die Mortalität 27,1% mit Hormontherapie, versus 27,6% mit Placebo. Ein großer Streit um kleine Unterschiede könnte nun zu Ende gehen. Neue Erkenntnisse zu den Phasen der Perimenopause führen inzwischen zu differenzierteren Therapiekonzepten.

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