Wissenschaftlicher Kongress

Freitag, 15.03.2019
10:45 - 11:15 Uhr

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Gestolpert und gestürzt – Welche Arzneimittel das Risiko erhöhen

„When I’m 64 …“ – Polymedikation im Alter (POP – Patienten-orientierte Pharmazie)

Zertifizierte Fortbildung

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zu stürzen immens an.

Dr. Verena Stahl

Dr. Verena Stahl studierte Pharmazie an der Phi­lipps-Universität in Marburg. 2007 war sie als Semi-Resident im „Drug Information and Pharmacy Resource Center“ der University of Florida tätig. Bis 2011 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arznei­therapiesicherheit des Universitätsklinikums Essen und des Klinikums Saarbrücken GmbH. 
Seit 2008 ist sie Referentin, u. a. in der Fort- und Weiterbildung diverser Apothekerkammern (Westfalen-Lippe, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Bayern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein, Thüringen, Brandenburg), bei wissenschaftlichen Kongressen, im Masterstudiengang „Consumer Health Care“ und beim praxisbegleitenden Unterricht der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. 2011 folgte ihre Promotion. Seit 2012 ist sie Autorin für die Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ), als Mitglied der „POP“-Gruppe und verantwortlich für die Rubrik „AMTS-Spezial“. Seit 2017 ist sie freiberuflich als Autorin und Referentin tätig.

 

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Es ist meist darin begründet, dass schlichtweg die Fähigkeiten, einen Sturz zu vermeiden, mit den Jahren stark abnehmen. Vieles ist eng mit den im Alter nachlassenden körperlichen und geistigen Funktionen verbunden, so dass körpereigene Schutzmechanismen und ­-reflexe nicht mehr adäquat greifen. Sehkraft und Fehlsichtigkeit, Kreislauf und Schwindel, Muskeltonus und Schlappheit, Koordination und unsicheres Gangbild und Gleichgewicht und Imbalance sind nur einige Stichworte an dieser Stelle.

Neben den alltäglichen Herausforderungen, den Körper in Balance zu halten, sind viele ältere Menschen oft auch noch durch äußere Einflüsse gefährdet, einen Sturz zu erleiden. An dieser Stelle spielen neben banalen Dingen wie ungeeignetem Schuhwerk, schlechter Beleuchtung und Stolperfallen im Haushalt auch Arzneimittel eine entscheidende Rolle. Die sogenannten sturzfördernden Arzneistoffe (engl. fall increasing drugs, FRID) füllen lange Listen, sie werden aber im Alltag nicht immer beachtet. Viele Patienten nehmen ihr diesbezügliches Risiko nicht wahr oder verdrängen es, oft wird den Betroffenen und ihren Ärzten gar erst nach einem Sturzereignis bewusst, welche multifaktoriellen Risiken vorhanden waren.

Das Sturzrisiko ist zudem bei verschiedenen Krankheitsbildern erhöht, unter anderem bei zerebrovaskulären Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Morbus Parkinson und Epilepsie. Eine akute Sturzgefahr besteht auch bei manchen Erkrankungen, die suboptimal behandelt werden. Hierzu zählt bei arterieller Hypertonie eine übermäßige Blutdrucksenkung mit dem Risiko für orthostatische Hypotension sowie ein unkontrollierter Diabetes mellitus mit hypoglykämischen Episoden. Auch führen kognitive Einschränkungen dazu, dass Patienten ihre individuellen Fähigkeiten, die sich aber mit den Jahren verändert haben, völlig falsch einschätzen, getreu dem Motto „Das war aber doch nie ein Problem für mich“. An dieser Stelle führt das stark ausgeprägte Bedürfnis vieler älterer Personen, möglichst alles noch selbstständig erledigen zu können, zu ungeahnten Risikosituationen. Nicht jeder heruntergefallene Gegenstand muss sofort aufgehoben werden und Streck- und Kletterversuche beim Gardinenwechsel oder Verstauen von Gegenständen in hohen oder niedrigen Küchenschränken können oft auch warten, bis Angehörige oder andere Personen helfend zur Seite stehen.

Der Vortrag fokussiert insbesondere auf Wirkstoffen und arzneimittelbezogenen Situationen, die bekanntermaßen das Sturzrisiko er­höhen und geht dabei über Klassiker, wie dem schnellen Gang zur
Toilette bei zu starker Diurese oder der ungewollten Schläfrigkeit durch Überhangeffekte (Hangover) bei Benzodiazepinen, hinaus.

 

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Geriatrische Pharmazie

Im Alter – alles anders?

Die Arzneimitteltherapie älterer Patienten ist eine enorme Herausforderung: Multimorbidität, Polymedikation, Frailty, Einnahmehindernisse,
erschwerte Kognition stellen höchste Ansprüche an die pharmazeutische Versorgung. In diesem Werk bündeln Herausgebertrio und Autorenteam ihre geballte Erfahrung. Sie schärfen Ihren Blick für die besonderen Belange der Altersgruppe und zeigen Wege auf, wie Sie deren medikamentöse Behandlung optimieren können.
Themen sind:

  • Versorgung zu Hause, im Heim und im Krankenhaus
  • pharmazeutische, ärztliche, pflegerische und juristische Belange
  • interdisziplinäre und multiprofessionelle Herangehensweisen

Das Werk verleiht Ihrer Beratung die nötige Sicherheit – so sorgen Sie für mehr Lebensqualität bei Ihren älteren Patienten.

Von Constanze Schäfer (Hrsg.), Andrea Liekweg (Hrsg.) und Albrecht Eisert (Hrsg.)
XXVI, 710 S., 49 farb. Abb.,125 farb. Tab., 17,0 × 24,0 cm,
Hardcover, 72,80 Euro [D]
ISBN 978-3-7692-5272-9
Deutscher Apotheker Verlag 2015

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