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Freitag, 15.03.2019
15:00 - 18:00 Uhr

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Cannabis in der Apotheke – Die Dronabinol-Rezeptur in Theorie und Praxis

Live Demonstration

Das vor zwei Jahren in Kraft getretene Cannabis-Gesetz stellt Apotheken vor neue Herausforderungen – von der Patientenberatung über die Identitätsprüfung und Rezepturherstellung im BtM-Bereich bis hin zu Taxierungsfragen.

Dr. Christian Ude

Dr. Christian Ude studierte Pharmazie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Im Anschluss an seine Approbation promovierte er in Pharmazeutischer Chemie. 2011 erwarb er den Abschluss als Fachapotheker für Arzneimittelinformation und ist seit 2013 Inhaber der Stern-Apotheke in Darmstadt. Seit 2018 ist er der erste Vorsitzende des Vereins NELA e.V. – Netzwerk Lebensqualität durch Arzneimitteltherapiesicherheit.

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Dr. Mario Wurglics

Studium der Pharmazie an der Karl-Franzens-Universität Graz;
seit 1997 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt;
1993-1999 Lehrbeauftragter für Pharmazeutische Analytik an der Universität Graz;
Schwerpunkte: Analytik von Naturstoffen; Gehaltsbestimmung wirksamkeitsbestimmender Inhaltsstoffe aus Pflanzenextrakten, Plasma und verschiedenen Geweben

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Barbara Sievert

als PTA seit 20 Jahren in der öffentlichen Apotheke angestellt;
2006 Fortbildung „Fach-PTA für dermopharmazeutische und kosmetische Beratung“ (IHK Saarland);
seit 2018 in der Stern-Apotheke Darmstadt und dort regelmäßig mit ­verschiedenen Cannabis-Präparaten beschäftigt

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Als etablierte Indikationen für Cannabinoide gelten vor allem chronische (neuropathische) Schmerzen, Spastiken bei multipler Sklerose, Appetitmangel und Kachexie, sowie Übelkeit und Erbrechen. Berichte erfolgreicher Therapieversuche reichen darüber hinaus von sonstigen neurologischen Indikationen (Bewegungsstörungen, Tourette, Parkinson) über chronisch-entzündliche Krankheitsbilder (z. B. Morbus Crohn, Psoriasis) bis hin zu psychischen Erkrankungen wie posttraumatischer Belastungsstörung, Zwangs- oder Schlafstörungen. Darüber hinaus wurde jüngst in den USA ein Cannabi­diol-haltiges Fertigarzneimittel für spezielle Epilepsieformen ­(Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom) zugelassen.In vielen dieser Indikationen ist die Evidenz noch schwach, doch begründet der häufig sehr hohe Leidensdruck der Patienten angesichts der guten Verträglichkeit natürlicher Cannabinoide in vielen Fällen einen individuellen Therapieversuch.

Dronabinol seit 20 Jahren in Deutschland verkehrsfähig

Der bekannteste und am besten untersuchte Inhaltsstoff in Cannabis-Blüten ist Tetrahydrocannabinol (THC, Internationaler Freiname [INN]: Dronabinol). Für die appetitsteigernde und antiemetische Therapie liegt in den USA bereits seit Jahrzehnten eine Zulassung für Dronabinol vor. In Deutschland können die Apotheken seit immerhin knapp 20 Jahren patientenindividuelle, qualitätsgesicherte Individualrezepturen für Patienten auf entsprechende Verschreibung hin herstellen.

Dosierung, Resorption und Pharmakokinetik

Das Neue Rezeptur-Formularium (NRF) beschreibt für Dronabinol neben der oralen (NRF 22.7, 22.8) die Inhalation durch Verdampfen (NRF 22.16) als mögliche Applikationsform. Zu empfehlen ist in der Regel die orale Gabe, denn im Vergleich zur Inhalation bedeutet sie eine deutlich langsamere Anflutung von THC, kein „Flash“-Ereignis, niedrigere, dauerhaftere und stabilere Blutspiegel und ein geringeres Risiko für akute Nebenwirkungen. Darüber hinaus ist im NRF ebenfalls eine Vorschrift für die zweite Leitsubstanz der Phyto­cannabinoide, dem Cannabidiol (CBD), zu finden (NRF 22.10). Cannabinoide sollten einschleichend dosiert werden, da sie dann viel besser verträglich sind. Die optimale Tagesdosis für Dronabinol liegt in der Regel bei 5 bis 20 mg/Tag THC, wenngleich eine Dosisfindung sehr individuell erfolgen muss. CBD wird ebenfalls in einer größeren Dosisbreite individuell eingesetzt (z. B. 2 bis 50 mg/kg).

Verträglichkeit

Dronabinol wird meistens bei therapierefraktären Beschwerden als Add-on zur bestehenden Medikation gegeben. Nur wenige Kontraindikationen (v. a. Schwangerschaft, Stillzeit, schwere Psychose) und Interaktionsrisiken mit anderen, vor allem zentral wirksamen Substanzgruppen sind zu berücksichtigen. Dronabinol ist auch in der Kombinationstherapie gut langzeitverträglich. Zu den typischen Cannabinoid-Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Müdigkeit, Mundtrockenheit, seltener High-Gefühl, Tachykardie, Blutdruckveränderung, Schwindel. Sie treten vor allem während der Auftitration oder bei Überdosierung auf und klingen bei regelmäßiger Einnahme oft von allein ab. Die Suchtgefahr gilt nach übereinstimmender Meinung vieler erfahrener Verordner bei therapeutischer, oraler Dosierung als ausgesprochen gering.

Cannabinoide in der Rezeptur

Dronabinol ist extrem lipophil, mäßig oxidationsempfindlich und ist als reine Wirksubstanz bei Raumtemperatur nahezu fest. Nach leichtem Erwärmen zeigt sich eine harzähnliche Konsistenz. Bei der Identitätsprüfung und auch bei der Herstellung öliger Tropfen oder Kapseln mit Hartfett als Trägersubstanz sind daher Umsicht und ein gewisses Know-how gefragt. Die Herstellung beider Darreichungsformen ist problemlos in der Apotheke, vor allem mit den auf dem Markt befindlichen Rezeptur-Kits, umsetzbar. Allerdings gibt es einige „Tipps und Tricks“, die die Herstellung – auch CBD-haltiger Zubereitungen – einerseits erleichtern, andererseits die Qualität erhöhen. Daher zeigt dieser Vortrag im Detail die Herstellung, berücksichtigt dabei aber auch die notwendigen Dokumentationen und geht auf die Taxation ein. Zusammen mit den auf dem Markt von den entsprechenden Herstellern befindlichen Service-Materialien, wie Broschüren oder Internet-basierten Videos, sind die Vortragsteilnehmer im Anschluss problemlos in der Lage, die entsprechenden Rezepturen eigenständig herzustellen.

Cannabis in der Apotheke

Erwerb – Abgabe – Beratung

Seit 2017 dürfen Ärzte Cannabis-Blüten und Cannabis-Extrakt zu medizinischen Zwecken auf Betäubungsmittelrezept verordnen. Für die Apotheke besteht die Herausforderung in einer neuen Kombination aus eigentlich alltäglichen Situationen: Prüfung und Verarbeitung einer pflanzlichen Droge, die unter das Betäubungsmittelrecht fällt, und eine fundierte Patientenberatung in Bezug auf Compliance, Handhabung und Anwendung. Christian Ude und Mario Wurglics liefern mit diesem Werk einen praktischen Leitfaden für die Arbeit mit Cannabis in der Apotheke. Nach einer kurzen Einführung in die Botanik, die Pharmakologie, die Pharmakokinetik und zur klinischen Wirksamkeit liegt der Schwerpunkt auf dem Umgang mit Verordnungen und der Patientenberatung in der Praxis. Tipps und Hinweise zu Identitätsprüfung, Arbeitsplatz, Abgabebehältnis, BtM-Recht, Erstattung und Hilfsmittel erleichtern die Arbeit. Die mitgelieferten Leit­fäden für das Patienten- und das Arztgespräch unterstützen die Arzneimitteltherapiesicherheit. Ein eigenes Kapitel greift erste Praxiserfahrungen und häufige Fragen auf und fasst die wichtigsten Informationen rund um Cannabis in der Apotheke zusammen.

Von Christian Ude und Mario Wurglics
2., überarb. Aufl., 64 S.,
10 Abb., 6 Tabellen, 174 × 241 mm,
Kartoniert, 14,90 Euro [D]
ISBN 978-3-7741-1377-0
Govi Verlag 2018

Cannabis

Arbeitshilfe für die Apotheke

Cannabis – es geht weiter!

m März 2017 trat das „Cannabis-Gesetz“ in Kraft, zur Erleichterung vieler Patienten, die Cannabis als ihre letzte Chance sehen. Falsche Erwartungen, hohe bürokratische Hürden in der Verschreibung und Unsicherheiten im Umgang mit Blüten und Co. haben der anfänglichen Euphorie einen Dämpfer versetzt. Doch das Interesse ist nach wie vor ungebrochen. Die wichtigsten Fragen sind:

  • Welche Sorten und Darreichungsformen von Cannabis sind verfügbar?
  • Wem wird was auf welcher rechtlichen Grundlage verschrieben?
  • Welche Indikationen sprechen auf Cannabis an?
  • Wie sind Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen für den Patienten?
  • Wie gestaltet sich Beschaffung, Lagerung und Prüfung in der Apotheke?

Neu in der 2. Auflage sind die Kapitel „Rezeptur und Labor“ mit praktischen Tipps zur Verarbeitung, Kennzeichnung und Dokumentation Cannabis-basierter Medikamente und das Kapitel „FAQ“. Der medizinische Teil wurde erweitert und die Liste Cannabis-basierter Medikamente sowie deren Bezugsquellen aktualisiert.

Mit der Cannabis-Arbeitshilfe für die Apotheke sind Sie um keine Antwort verlegen!

Von Klaus Häußermann, Franjo Grotenhermen und Eva Milz
2. Auflage, XII, 73 S.,
15 farb. Abb., 15 farb. Tab.,
21,0 × 29,7 cm, Kartoniert,
19,80 Euro [D]
ISBN 978-3-7692-6984-0
Deutscher Apotheker Verlag 2018

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