Wissenschaftlicher Kongress

Freitag, 15.03.2019
16:30 - 17:00 Uhr

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Analgetikum statt Antibiotikum? Die Therapie von Harnwegsinfekten

„I’m every woman“ – Was Frauen bewegt

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Harnwegsinfekte (HWI) gehören zu den häufigsten bakteriellen Infekten in der ambulanten Versorgung und sie werden meist mit Antibiotika behandelt. 

Prof. Dr. Ildiko Gágyor

Studium der Humanmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen und an der Universität Wien;
Fachärztin für Allgemeinmedizin, Zusatzbezeichnung Palliativmedizin;
seit 2015 Oberärztin, Forschungskoordination im Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG);
seit 2017 Gründungsprofessur des Instituts für Allgemeinmedizin im Universitätsklinikum Würzburg

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Antibiotika führen in der Regel zwar zu einem Rückgang der Beschwerden, im Zuge zunehmender Resistenz gegen Krankheitserreger wird jedoch ihr Einsatz bei unkomplizierten Infekten zunehmend kritisch diskutiert. Anders als in der Leitlinie zur Behandlung von Harnwegsinfekten empfohlen, verschreiben niedergelassene Ärzte in bis zu 50% der Fälle Antibiotika der sogenannten zweiten Wahl. Diese Antibiotika sind eigentlich für seltene, schwerwiegende Infektionen oder bei Komplikationen vorgesehen (sogenannte Reserve-Antibiotika). Werden sie hingegen häufig eingesetzt, steigt auch die Rate resistenter Bakterien gegen solche Reserve-Antibiotika. Sie stehen dann nur noch eingeschränkt für die Behandlung schwieriger Erkrankungen zur Verfügung.

In den letzten Jahren sind verschiedene nichtantibiotische Behandlungsstrategien bei Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten getestet worden, unter anderem auch Schmerzmittel. Die ICUTI-­Studie (Immediate versus conditional use of antibiotics in uncomplicated urinary tract infection [UTI] – a comparative effectiveness study in general practice) war eine doppelblinde, randomisiert-kontrollierte Studie, in der zwei Therapiestrategien verglichen wurden. An der Studie haben 42 hausärztliche Praxen in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen teilgenommen. Untersucht wurden Frauen zwischen 18 und 65 Jahren, die die Hausarztpraxis mit den typischen Symptomen eines unkomplizierten Harnwegsinfekts (Dysurie, häufiger Harndrang, häufiges Wasserlassen) aufgesucht haben. Die Patientinnen wurden entweder mit einem Antibiotikum (8 g Fosfomycin-Trometamol-Pulver, einmalig) oder mit einem Schmerzmittel (Ibuprofen Tabletten, 3 × 400 mg über drei Tage) behandelt. Bei Beschwerdepersistenz oder -zunahme waren eine Wiedervorstellung beim Hausarzt und eine Verordnung von Antibiotika jederzeit möglich. Zielkriterien der Studie waren der Verbrauch von Antibiotika und die Symptomlast (vermehrter Harndrang, häufiges Wasserlassen, Unterbauchschmerzen). In beiden Gruppen wurde zudem die Rate von Alltagseinschränkungen durch den Harnwegsinfekt, Rezidive, Komplikationen und Nebenwirkungen verglichen. 

Seit der ICUTI-Studie wurden nichtantibiotische Behandlungsstrategien mit Analgetika bei Frauen mit einem unkomplizierten HWI in weiteren klinischen Studien in der Primärversorgung getestet. In einer Schweizer Studie wurde die Wirksamkeit von Diclofenac (Kapseln 2 × 75 mg über drei Tage) und Norfloxacin (400 mg über drei Tage) und in einer Studie aus Norwegen, Dänemark und Schweden Ibuprofen (3 × 600 mg über drei Tage) im Vergleich zu Pivmecillinam (3 × 200 mg über drei Tage) in doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studien geprüft. Die Zielkriterien dieser beiden Studien waren vergleichbar mit denen der ICUTI-Studie. Die Ergebnisse konnten zeigen, dass alle drei Behandlungsstrategien zu einer erheblichen Reduktion des Antibiotikaverbrauchs geführt haben, ­diese aber mit einer etwas höheren Symptomlast einherging. 

Auch traten fieberhafte Infekte bis zu Pyelonephritiden in der mit Analgetika behandelten Gruppe etwas häufiger auf als in den jeweiligen Kontrollgruppen. Eine ausführliche Vorstellung und die Diskussion der Ergebnisse erfolgen im Vortrag.

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Von Jürgen Krauss 
 X, 163 S., 6 farb. Abb., 135 s/w Tab., 17,0 × 24,0 cm, Kartoniert, 26,00 Euro [D]
ISBN 978-3-7692-6022-9
Deutscher Apotheker Verlag 2016

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