Filialapothekentag

Samstag, 16.03.2019
09:05 - 09:45 Uhr

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15 Jahre Filialisierung - Wo stehen wir? Wohin gehen wir?

Seit 2004 dürfen Apothekenleiter außer ihrer Hauptapotheke bis zu drei Filialen betreiben. Alle Filialapotheken müssen als Vollapotheken ausgestattet sein und sind damit für die Patienten nicht als 
Filialen erkennbar, sofern dies nicht durch den Marketingauftritt deutlich wird. 15 Jahre nach Einführung der Filialen ist aus der zunächst kritisch betrachteten Neuerung Apothekenalltag geworden. Doch wie geht es weiter?

Dr. Thomas Müller-Bohn

Apotheker und Diplom-Kaufmann;
Studium der Pharmazie in Marburg und Betriebswirtschaftslehre in Bielefeld, Promotion in Bonn.
Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke; 
seit 1995 Wissenschaftsjournalist; 
seit 1997 auswärtiges Mitglied der Redaktion der Deutschen Apotheker Zeitung; 
Vortrags- und Seminartätigkeit, insbesondere zu Apotheken-QMS und Pharmakoökonomie; 
2001 – 2007 Lehrauftrag für Pharmakoökonomie an der Universität Hamburg; 
seit 2003 Lehrauftrag für Pharmakoökonomie an der Christian-Albrechts-Universität Kiel

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Die Zahl der Apothekenfilialen ist seit 2004 stets gestiegen (zuletzt berücksichtigte Daten vom Juni 2018), obwohl die Gesamtzahl der Apotheken seit 2008 sinkt. Doch die Wachstumskurve der Filialen flacht ab und es gibt erste Anzeichen für eine bevorstehende Sättigung des Filialmarktes. Ende Juni 2018 bestanden 19.591 Apotheken, davon waren 4557 Filialen (23,3 Prozent). Im ersten Halbjahr 2018 stieg nur die Zahl der Apotheken mit drei Filialen. Dagegen gab es weniger Apotheken mit einer oder zwei Filialen. 

Apothekenleiter, die Interesse, Gelegenheit und Geld für Filialen haben, haben diese Pläne offenbar inzwischen umgesetzt. Manche gehen diesen Weg mit noch mehr Filialen weiter. Doch es kommen wenig neue Filialbetreiber dazu. Damit entsteht ein neuer Trend: Die Filialverbünde werden im Durchschnitt größer. Die Fragen nach dem Management solcher großen Organisationen und nach den Anforderungen an die Teams in solchen Verbünden rücken daraufhin in den Vordergrund.

Die Motive zur Filialisierung sind weiterhin vielfältig und sogar widersprüchlich. Es geht um die strategische Sicherung einer bestehenden Apotheke, das Wachstum der Geschäftstätigkeit oder die Diversifizierung des unternehmerischen Risikos. Sowohl offensive als auch defensive Strategien können damit zur Filialisierung führen. 

Angesichts der insgesamt sinkenden Apothekenzahl wird jedoch ein früheres Argument für manche Filialübernahme immer weniger bedeutsam: Eine von der Schließung bedrohte Nachbarapotheke muss nicht mehr übernommen werden, um potenzielle Neugründer abzuwehren. Denn wo eine Apotheke schließt, entsteht keine neue Apotheke mehr.

Filialverbünde aus vier Apotheken erscheinen aus traditioneller Sicht geradezu progressiv, sind aber überhaupt nicht mit Filialstrukturen im klassischen Einzelhandel zu vergleichen. Synergie- und Skaleneffekte treten typischerweise ein, wenn hunderte oder tausende Filialen betrieben werden. Doch beim Betrieb von zwei, drei oder vier Apotheken multipliziert sich auch fast alle Arbeit mit zwei, drei oder vier. Am Anfang steht zusätzlicher organisatorischer Aufwand, um langfristig einige Synergien zu erreichen. Der Inhaber wird zum koordinierenden Manager, aber auch die Filialleiter und manchmal sogar alle Teammitglieder müssen die anderen Filialen „mitdenken“. Denn organisatorische Sonderwege in einzelnen Filialen erschweren den reibungslosen Austausch von Personal. Doch gerade dieser Austausch dient der Flexibilisierung der Arbeitszeit, die oft im Interesse der Mitarbeiter liegt.

So entstehen neue organisatorische Herausforderungen, aber auch neue Möglichkeiten. Ein Verbund mit geschickt platzierten Filialen kann ein erstaunlich großes Einzugsgebiet versorgen und mit einem anspruchsvollen pharmazeutischen Leistungsangebot viele Patienten erreichen. Dies kann pharmazeutischen Leistungen im Sinne der Strategie der „Apotheke 2030“ zum Durchbruch und dem Filialverbund zum wirtschaftlichen Erfolg verhelfen. 

Neue Wege zur Apothekenhonorierung

Kritik und Alternativen zum Honorargutachten

Vergütung in der Diskussion

Die Apothekenhonorierung ist zu einem Politikum geworden. Schon 2004 wurde die Vergütung weitgehend vom Preis der verschreibungspflichtigen Arzneimittel abgekoppelt, aber eine zuverlässige Methode zur Anpassung des Honorars an steigende Kosten fehlt noch immer. Seitdem 2016 die Preisbindung für ausländische Versandapotheken aufgehoben wurde, interessiert sich auch die Politik verstärkt für dieses Thema. Ein im Dezember 2017 veröffentlichtes Gutachten hat die Diskussion weiter angeheizt. Darin werden massive Kürzungen der Apothekenhonorierung empfohlen.

Das Honorargutachten hat vielfältige Kritik an der ungeeigneten Methodik und an den praxisfremden Annahmen ausgelöst und zugleich eine Debatte über einen besseren Weg zu einer neuen Apothekenhonorierung entfacht. In diesem Sammelband sind zentrale Beiträge zu dieser Diskussion aus der Deutschen Apotheker Zeitung vereinigt, einige davon in erweiterter und aktualisierter Fassung. So erklärt das Buch, warum die Empfehlungen des Honorargutachtens an der Realität vorbeigehen, und vermittelt konstruktive Vorschläge für eine zukunftsweisende Vergütung.

Von Thomas Müller-Bohn (Hrsg.)
VIII, 190 S., 6 farb. Abb., 
13 farb. Tab., 17,0 × 24,0 cm, Kartoniert, 39,80 Euro [D]
ISBN 978-3-7692-7248-2
Deutscher Apotheker Verlag 2018 

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